
Es war ein sehr starker Schmerz, als ich mir den kleinen Zeh brach und ich war mir sicher, dass Lachsfischen und Frakturen nicht zusammenpassten. Als ich aber auf der Fähre Richtung Norwegen auf dem Außendeck die Sonne genoss, dem einschläfernden Grummeln der Dieselmotoren lauschte, waren alle Schmerzen verflogen. Erstmal, wie sich später herausstellte.

Meine Euphorie wurde von unseren Hüttennachbarn am ersten Abend stark gebremst. Uns, das waren
Arne, der Student, und ich, der Lachsfischer mit dem gebrochenen Zeh. Arne war mit nach Norwegen gereist, um
sich beim Arbeitsamt in Stavanger zu informieren. Er möchte sich nach seinem Studium in Norwegen niederlassen.
Unsere Hüttennachbarn waren Norweger im Rentenalter und Lachsfischer am Tengs. Der Bjerkreimselva heißt im
Mündungsbereich Tengs und ist privat.

Sie luden uns gleich zu einem Glas Rotwein ein und berichteten
von Niedrigwasser, schlechter Zeit, zu warmen Bier, und, und... Es blieb nicht bei einem Glas.
Dieser Abend wird uns noch lange in guter Erinnerung bleiben.

Der Wasserstand war extrem niedrig, ich fischte erst mit einer Zweihandrute, stellte dann aber auf Einhand um. Einhand Klasse 6, nicht ganz ohne Risiko. Es waren hauptsächlich Grilse im Fluss, ab und zu zeigten sich aber auch größere Exemplare des Salmo Salar. Der kleine Zeh schmerzte fürchterlich bei jedem Schritt im Wasser, es fühlte sich an, als würde jemand mit einem Hammer versuchen, ihn auf Briefmarkenhöhe zu bringen. Der Arzt in Deutschland sagte aber nicht: Fahren Sie nicht zum Lachsfischen.

Der Schusskopf streckte sich perfekt und die Fliege trieb genau richtig über den Nacken. Ein Lachsbiss ist nicht spektakulär, er zieht einem langsam, aber bestimmt die Schnur aus der Hand und wenn man dann die Rute langsam hebt und der Fisch hängt, schaltet sich die Welt um einen herum aus. Dann geht die Hölle los, Adrenalin pur. Ich hob die Rute langsam nach oben und merkte einen Widerstand, der einer Dampflok glich. Die Rolle zeigte eine Umdrehungsfrequenz der Extraklasse und der 6er Blank bog sich bis in meine Schulter. Bei adh-fishing in Peine traf ich einen erfahrenen Bjerkreimfischer, er warnte mich vor den kleinen Grilsen aus diesem Bach. Es sollen besondere kleine Kraftpakete sein. Er hatte recht. Der Fisch zog bis ins Backing und machte dann noch zwei weitere kleine Fluchten, bis ich ihn mit der Hand landen konnte.

Nicht groß, aber schön. Durch meine Verletzung am Fuß hatte ich nicht viel gefischt, die Schmerzen waren einfach zu groß. Wenn ich jetzt dem Knistern des Feuers lausche und zurückblicke, mich an einen herrlichen Abend mit Arne und den zwei Norwegern erinnere, an die Erzählungen, an die schöne Natur und die spannenden Drills, bekomme ich Sehnsucht. Ich möchte zurück.
Informationen auf
bjerkreimselva.no